Fragen & Antworten

Wer zahlt das Pflegeheim oder
Was ist Betreutes Wohnen?

Wissenswertes über Vollstationäre Pflege, Betreutes Wohnen, Service Wohnen, sowie Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege

kurz – konkret – kompetent

Vollstationäre Pflege

Was ist vollstationäre Pflege (Dauerpflege)

Vollstationäre Pflege wird auch Dauerpflege genannt, denn – im Gegensatz zur Kurzzeitpflege – wurde der Aufenthalt vorab zeitlich nicht begrenzt. Die Pflege wird überwiegend stationär in Alten- und Pflegeheimen angeboten, denn diese Einrichtungen verfügen Fachpersonal, welches eine 24 Stunden Betreuung gewährleisten kann.

Was kostet ein Pflegeheim in der vollstationären Pflege (Dauerpflege)?

Grundlage für die Kostenberechnung ist der Heimvertrag. Vereinbart wird ein monatlich fälliges Heimentgelt. Die Kosten für einen Platz im Pflegeheim, auch Gesamtheimentgelt genannt, setzen sich zusammen aus den Kosten:

  1. für die Pflege (Pflegekosten, Pflegesatz)
  2. für Unterkunft und Verpflegung (U & V)
  3. Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil (EEE)
  4. den Investitionskosten und
  5. den Kosten für die Ausbildung der Auszubildenden (Ausbildungsumlage bzw. Ausbildungszuschlag)
  6. Sonstige Kosten für besondere Zusatzleistungen
Gegebenenfalls können den Bewohnern für Zusatzleistungen weitere Kosten in Rechnung gestellt werden, wenn diese vereinbart waren. Sämtliche Kosten in einer Wohn- und Betreuungseinrichtung können sich ändern und werden dann angepasst.

Was sind Pflegekosten?

Pflegekosten sind alle pflegerischen Tätigkeiten, also die gesamte Körperpflege, Hilfe beim Essen, alle medizinischen Behandlungen im Rahmen der Pflege (Wundversorgung, Verbandwechsel) sowie die persönliche und soziale Betreuung des Pflegebedürftigen.

Was ist der Eigenanteil in der vollstationären Pflege?

  • Unterkunft und Verpflegung
  • Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil (EEE) für die Pflege
  • sogenannte Investitionskosten, etwa für Instandhaltung oder Modernisierung der Pflegeeinrichtung
  • den Kosten für die Ausbildung der Auszubildenden (Ausbildungsumlage bzw. Ausbildungszuschlag)
  • Zusatzleistungen wie beispielsweise Reparaturen privater Gegenstände
Die genannten Kosten müssen Pflegebedürftige selbst zahlen. Sie werden auch als Eigenanteil bezeichnet. Das Pflegeheim stellt dafür eine Rechnung aus.

Wer übernimmt die Pflegekosten?

Die Pflegekasse übernimmt die Kosten für die Pflege. Die Pflegekasse zahlt die Leistungen direkt an die Pflegeeinrichtung. Dieser Betrag variiert und richtet sich nach dem Pflegegrad.

Was ist die Pflegekasse?

Die Pflegekassen sind in Deutschland die Träger der gesetzlichen Pflegeversicherung. Sie sind organisatorisch den Krankenkassen angegliedert. Das gilt auch für die Sonderfälle der Knappschaft und die Landwirtschaftliche Krankenkasse.
Die Pflegekassen sind die Träger der Pflegeversicherung. Alle Pflegeleistungen sind bei den zuständigen Pflegekassen zu beantragen.

Wer ist Mitglied der Pflegekasse?

Die Pflegekassen sind den Krankenkassen angegliedert. Es gilt der Grundsatz: Pflegeversicherung folgt Krankenversicherung. Das bedeutet: Wer in der gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert ist, ist damit automatisch Mitglied der angegliederten Pflegekasse.

Wo müssen Leistungen der Pflegeversicherung beantragt werden?

Alle Leistungen müssen bei den Pflegekassen beantragt werden.

Wieviel zahlt die Pflegekasse an Pflegekosten für die vollstationäre Pflege?

Das hängt vom individuellen Pflegegrad ab. Die Pflegekasse bezahlt 770 Euro (Pflegegrad 2) – 1262 Euro (Pflegegrad 3) – 1775 Euro (Pflegegrad 4) – 2.005 Euro (Pflegegrad 5) für die Kosten der Pflege direkt an die Einrichtung.

Was zahlt die Pflegekasse bei vollstationärer Pflege, wenn kein Pflegegrad vorhanden?

Prinzipiell ist es möglich, die Altenpflege in einem Pflegeheim auch ohne Pflegegrad wahrzunehmen. Wählt der Pflegebedürftige die vollstationäre Pflege, obwohl dies nach den Feststellungen der Pflegekasse nicht erforderlich ist, erhält er für die pflegebedingten Aufwendungen nur einen Zuschuss in Höhe der Pflegesachleistung bzw. des Entlastungsbetrages. Weil die Leistungen der Pflegeversicherung entfallen, kann diese Lösung kostenintensiv werden, denn sie muss dann vollständig aus eigenen Mitteln finanziert werden.

Wie erhebe ich Einspruch bei zu niedrigem Pflegegrad?

Wenn Sie mit der Entscheidung der Pflegekasse nicht einverstanden sind, haben Sie ab dem Zugang des Bescheides einen Monat Zeit, um Widerspruch bei der Pflegekasse einzulegen. Fehlt im Bescheid ein Hinweis auf die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen, beträgt die Frist ein Jahr.

Was ist der Entlastungsbetrag?

Der Entlastungsbeitrag soll Angebote mitfinanzieren, die pflegende Angehörige entlasten. Den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro monatlich gibt es zusätzlich zu anderen Leistungen der Pflegeversicherung. Bitte sammeln Sie alle Rechnungen, die Sie dann bei der Pflegekasse einreichen.

Was bzw. wer ist der MDK?

Seit 2019 heißt der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) nur noch Medizinischer Dienst (MD). Grundlage dafür ist das MDK-Reformgesetz, das 2019 in Kraft getreten ist. Der MD ist unter anderem zuständig für die Vergabe und Einstufung des Pflegegrades.

Wie bekomme ich einen Pflegegrad?

Versicherte sollten zunächst einen Antrag auf Pflegegrad bei ihrer Pflegekasse stellen. Anschließend werden sie von einem Gutachter des sogenannten MDK bzw. MD (bei gesetzlich Versicherten) oder MEDICPROOF (bei privat Versicherten) im Hinblick auf ihre noch vorhandene Selbstständigkeit untersucht. Es findet eine Überprüfung der „Besonderen Bedarfskonstellation“ in den Räumlichkeiten des Pflegebedürftigen statt.

Was sind Pflegegrade?

Es gibt fünf Pflegegrade (1 -5), in die Pflegebedürftige entsprechend ihres Hilfebedarfs eingeteilt werden und die maßgeblich sind für die Höhe der Pflegegelder. Durchgeführt wird die Einstufung durch den MD (Medizinischer Dienst der Krankenkassen). Vor 2017 wurden Pflegebedürftige statt in Pflegegrade in „Pflegestufen“ unterteilt.
Ein Pflegegrad drückt das Maß an Pflegebedürftigkeit eines Versicherten aus und entscheidet darüber, welche Leistungen von Seiten der Pflegekasse dem Betroffenen zustehen. Bemessen wird diese Leistung am Grad der noch vorhandenen Selbstständigkeit des Versicherten (Infos über Pflegegrade).

Wann bekomme ich einen Termin / Wie lange dauert es, bis der MD kommt?

Die Pflegekasse ist verpflichtet, innerhalb von 25 Arbeitstagen zu entscheiden, welcher Pflegegrad vorliegt. In akuten Fällen ist eine Entscheidung binnen einer Woche möglich. Braucht die Kasse für Ihre Entscheidung zu lange, stehen dem Antragsteller sofort 70 Euro pro Woche als Pauschale zu.

Bekomme ich einen Pflegegrad im Krankenhaus?

Wer im Krankenhaus oder in einer Rehabilitationsmaßnahme ist, kann bei Pflegebedürftigkeit dort über den Sozialdienst einen Pflegegrad beantragen, der dann zunächst nach Aktenlage festgelegt wird. Dieser Fall ist gegeben, wenn ein direkter Übergang in ein Pflegeheim vorgesehen ist.

Was ist die Schnelleinstufung nach Aktenlage?

Bei Personen, die pflegebedürftig erscheinen, bringt der soziale Dienst des Krankenhauses oder der Rehaklinik selbst einen vorläufigen Pflegegrad (sehr häufig Pflegegrad II) auf den Weg. Auf diesen vorläufigen Pflegegrad hat man so lange Anspruch, bis der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MD) begutachtet hat. Im Anschluss setzt Ihre Pflegeversicherung den amtlich bestätigten Pflegegrad fest.

 

Betreutes Wohnen | Service-Wohnen

Was ist Betreutes Wohnen?

Beim Betreuten Wohnen oder Service-Wohnen leben die Bewohnerinnen und Bewohner meist zur Miete oder auch im Eigentum und können verschiedene Unterstützungsleistungen in Anspruch nehmen (z.B. Hausnotruf, Hausmeister- und Reinigungsdienste, Wäscheservice oder die Vermittlung von meist ambulanten Pflegeleistungen (Infos über Wohnformen).

Was ist Service-Wohnen?

Service-Wohnen bezeichnet eine Wohnform des betreuten Wohnens in Deutschland. Nach dem Heimrecht der Länder werden darunter Einrichtungen erfasst, bei denen die Anmietung von Wohnraum mietvertraglich an die Inanspruchnahme bestimmter allgemeiner Unterstützungsleistungen (Hausnotruf, Hausmeisterservice oder die Vermittlung von ambulanter Pflege und Betreuung) gebunden ist und diese Leistungen nicht unabhängig von der Mietwohnung gekündigt werden können.

Was kostet eine Einrichtung im Bereich „Betreutes Wohnen/Service-Wohnen“?

Hauptfaktoren für die Kosten sind die Qualität bzw. die Ausstattung der Wohnung und deren Lage. Es gibt luxuriöse Einrichtungen, bei denen die Mieten bei 3.000 Euro anfangen. Es gibt aber auch staatlich geförderte Seniorenwohnanlagen, für die man allerdings nur mit Wohnberechtigungsschein eine Wohnung erhält.
Zu den veranschlagten Kosten wie Kaltmiete und Nebenkosten kommen Kosten für die benötigten Zusatzleistungen. Die Kosten hierfür sind sehr verschieden. Sie richten sich nach den örtlichen Miet-/Kaufpreisen und beinhalten einen 10- bis 20-prozentigen Aufschlag. Hinzu kommen die Kosten für die individuellen Serviceangebote.

Wie kommen die Kosten für Service-Wohnen zustande?

Diese Kosten teilen sich in zwei Faktoren auf:
  1. Der Miet- bzw. Kaufpreis für die Immobilie selbst
  2. Die Kosten für die individuellen Serviceleistungen

Für wen ist Betreutes Wohnen oder Service-Wohnen geeignet?

Betreutes Wohnen bietet in der Regel keine Rundumversorgung – im Gegensatz zur vollstationären Pflege – und ist daher für Menschen mit schwerer Pflegebedürftigkeit oder fortgeschrittener Demenz weniger geeignet. Während sich Pflegeheime auf die Umsorgung stark pflegebedürftiger Menschen spezialisiert haben, bietet das betreute Wohnen ein altergerechtes Umfeld mit so viel Wahlfreiheit wie möglich, was die Betreuungsleistungen betrifft.

Wer übernimmt die Kosten im Betreuten Wohnen / Service Wohnen?

Betreutes Wohnen ist Privatsache. In der Regel müssen die Kosten selber getragen werden. Personen mit geringem Einkommen können Unterstützung durch „Wohngeld“ und die „Grundsicherung im Alter“ erhalten. Personen mit festgestellter Pflegebedürftigkeit erhalten zudem Unterstützung aus der Pflegeversicherung („Pflegegeld“).

 

Kurzzeitpflege

Was ist Kurzzeitpflege?

Kurzzeitpflege meint die zeitlich befristete Versorgung und Betreuung pflegebedürftiger Menschen in einer Einrichtung. Anders gesagt: Kurzzeitpflege ist die zeitweilige Versorgung in einer stationären Einrichtung eines normalerweise ambulant betreuten Pflegebedürftigen in einer vollstationären Einrichtung (§ 42 SGB XI). Das ist in der Regel dann der Fall, wenn die Pflegeperson zeitweise ausfällt oder wenn ein Versicherter nach einem Krankenhausaufenthalt eine kurzzeitige intensive Betreuung benötigt, bevor er wieder ambulant betreut werden kann.

Wann kann die Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden?

Kurzzeitpflege kann nach der Entlassung aus dem Krankenhaus oder nach einem Rehabilitationsaufenthalt in Anspruch genommen werden, wenn eine ausreichende Betreuung des Versicherten zu Hause zeitweise nicht sichergestellt werden kann.
Die Kurzzeitpflege kann in Anspruch genommen werden, wenn die pflegende Person verreist oder aus anderen Gründen (z. B. Krankheit) verhindert ist. Diese Möglichkeit besteht auch nach einem Klinik- oder Krankenhausaufenthalt, wenn der Genesungsprozess noch nicht abgeschlossen oder eine selbständige Versorgung zu Hause nicht gewährleistet werden kann. Ein besonderes Angebot ist ein „Wohnen auf Probe“ im Rahmen der Kurzzeitpflege.

Was ist „Wohnen auf Probe“ im Rahmen der Kurzzeitpflege?

Das Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz (WBVG) ermöglicht ein Probewohnen von bis zu 14 Tagen. Dafür ist eine vertragliche Vereinbarung zwischen dem Pflegeheim und dem Pflegebedürftigen (bzw. dessen Vertretungsberechtigten) notwendig.

Wie sind die Kündigungsbedingungen beim „Wohnen auf Probe“?

Innerhalb der Zeit des Probewohnens (max. 14 Tage) ist es zulässig, dass der Pflegebedürftige (oder dessen Vertretungsberechtigten) einseitig den Vertrag kündigen können.

Was kostet Kurzzeitpflege?

Die durch die Kurzzeitpflege anfallenden Kosten setzen sich aus den gleichen Bestandteilen zusammen wie jene für eine vollstationäre Pflege (Kosten VSP) und sind je nach Einrichtung sehr unterschiedlich.

Welche Leistungen der Pflegekasse kann man für die Finanzierung der Kosten für die Kurzzeitpflege verwenden?

  • Leistungen für die Kurzzeitpflege: Die Pflegekasse übernimmt 1.612 Euro (pro Jahr) für pflegerische Leistungen.
  • Der Entlastungsbetrag hat die Höhe von 125 Euro/Monat.
  • Pflegegeld: Die Höhe variiert stark und ist vom Pflegegrad der zu pflegenden Person abhängig.

Wie Sind Die Kündigungsbedingungen Beim “Wohnen Auf Probe”?

Die Pflegekasse übernimmt Kosten für maximal acht Wochen im Jahr bzw. sie zahlt dann bis zu max. 1.612 Euro (Regelbetrag) für die Pflegekosten. Achtung: Mit jedem Jahreswechsel entsteht der Anspruch neu, d.h. Sie können dann weitere Leistungen der Pflegekasse für die Kurzzeitpflege beantragen.

Zahlt die Sozialkasse auch bei Kurzzeitpflege?

Ja. Übersteigen die Kosten einer Kurzzeitpflege das Budget des Pflegebedürftigen, kann ein Antrag auf “Hilfe zur Pflege” beim zuständigen Sozialamt gestellt werden.

Wer hat Anspruch auf Kurzzeitpflege?

Personen mit Pflegegrad 1 haben keinen Anspruch auf finanzielle Unterstützung durch die Pflegekasse – die Person muss mindestens Pflegegrad 2 haben.

Was ist der Unterschied zwischen Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege?

Im Gegensatz zur Verhinderungspflege ist eine Kurzzeitpflege zuhause nicht möglich. Kurzzeitpflege kann laut Definition nur in einer entsprechenden Pflegeeinrichtung, wie einem Pflegeheim, durchgeführt werden. Während die Kurzzeitpflege immer eine stationäre Aufnahme in einer Betreuungseinrichtung bedeutet, findet die Verhinderungspflege in häuslicher Betreuung statt.

 

Verhinderungspflege

Was ist Verhinderungspflege?

Mit dieser Pflegeform werden Angehörige unterstützt, die pflegebedürftige Personen – beispielsweise Verwandte – zu Hause pflegen. Wenn die pflegende Person verhindert ist, dabei spielt der Grund keine Rolle, kann Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden. Dadurch erhält man finanzielle Unterstützung, wenn man eine Vertretung benötigt. Geregelt wird die Verhinderungspflege in § 39 SGB XI.

Welche Voraussetzungen müssen für Verhinderungspflege erfüllt sein?

Drei Voraussetzungen müssen (lt. § 39 SGB XI) für Verhinderungs-pflege erfüllt sein:
  1. Es wurde bereits sechs Monate lang in häuslicher Umgebung gepflegt (sog. „Vorpflegezeit“).
  2. Es liegt bei der zu pflegenden Person seit mindestens 6 Monaten mindestens Pflegegrad 2 vor.
  3. Es gibt eine Pflegeperson, die aber aktuell verhindert ist, die Pflege selbst auszuüben.

Wie kann man Verhinderungspflege (Urlaubs- bzw. Krank-heitsvertretung) nutzen?

Befindet sich die private Pflegeperson im Urlaub oder ist durch Krankheit oder aus anderen Gründen vorübergehend an der Pflege gehindert, übernimmt die Pflegeversicherung die nachgewiesenen Kosten einer notwendigen Ersatzpflege für längstens sechs Wochen je Kalenderjahr. Diese Übernahme der Kosten ist möglich, wenn die pflegebedürftige Person mindestens in Pflegegrad 2 eingestuft ist.

Können Ansprüche auf Kurzzeitpflege für die Verhinderungspflege geltend gemacht werden?

Ja, unter folgenden Bedingungen: Ergänzend zum Leistungsbetrag für die Verhinderungspflege können bis zu 50 Prozent des Leistungsbetrags für die Kurzzeitpflege (das sind bis zu 806 Euro im Kalenderjahr) für die Verhinderungspflege eingesetzt werden.
Der für die Verhinderungspflege in Anspruch genommene Erhöhungsbetrag wird auf den Leistungsbetrag für eine Kurzzeitpflege angerechnet. Damit stehen bis zu 2.418 Euro im Kalenderjahr für die Verhinderungspflege zur Verfügung.
Dies kommt insbesondere den Anspruchsberechtigten zugute, die eine längere Ersatzpflege benötigen und in dieser Zeit nicht in eine vollstationäre Kurzzeitpflegeeinrichtung gehen möchten.

Was ist die Sechs-Monate-Vorpflege-Regelung bzw. “Vorpflegezeit” bei der Verhinderungspflege?

Es ist nicht erforderlich, dass dieselbe Pflegeperson, für die die Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden soll, den Pflegebedürftigen sechs Monate gepflegt haben muss. Es spielt keine Rolle, wer in den abgelaufenen sechs Monaten die Pflege ausgeübt hat.
Auch muss die Pflege in diesem Zeitraum nicht ununterbrochen ausgeführt worden sein. Pausen von weniger als vier Wochen sind zulässig, ohne dass der Gesamtzeitraum sich verlängert.

Ist die Anforderung, dass mindestens der Pflegegrad 2 vorliegt, an die Sechs-Monats-Frist gebunden?

Nein, das ist nicht der Fall. Lediglich zum Zeitpunkt der Inanspruchnahme der Verhinderungspflege muss der Pflegegrad gegeben sein.
Beispiel: Wenn der Antrag auf Pflegegrad-Einstufung im Januar gestellt wurde, die eigentliche Pflege aber schon seit August des Vorjahres stattfindet, kann die Pflegeperson die entlastende Verhinderungspflege ab Februar in Anspruch nehmen.
Prüfen Sie daher bitte, ab wann genau (!) gepflegt wurde. Versuchen Sie aktiv, für diesen Zeitraum nachträglich vom Hausarzt eine Bestätigung über die Notwendigkeit von pflegerischen Maßnahmen zu bekommen.

Muss die Verhinderung für die Verhinderungspflege begründet werden?

Nein. Ein besonderer Grund für die Verhinderung muss nicht angegeben werden. Es besteht auch keine Nachweispflicht z.B. über eigene Krankheit oder Buchung des eigenen Urlaubs.

Kann man die Kosten für die Verhinderungspflege rückwirkend erstattet bekommen?

Ja, das ist per Antrag möglich.

Was passiert mit dem gesetzlichen Pflegegeld, wenn Verhinderungspflege in Anspruch genommen wird?

Während der Zeit der Verhinderungspflege bekommt der pflegebedürftige Mensch das Pflegegeld weiterhin zur Hälfte ausbezahlt. Das Pflegegeld am ersten und am letzten Tag der Verhinderungspflege in voller Höhe ausgezahlt.
Während der Ersatzpflege bekommen Sie die Pflegesachleistung weiter in voller Höhe erstattet. Das Pflegegeld wird zur Hälfte weitergezahlt. Eine Ausnahme gibt es für den ersten und letzten Tag. An diesen beiden Tagen wird das Pflegegeld zu 100 Prozent bezahlt (s.o.).

Wo beantrage ich Verhinderungspflege?

Für die Abrechnung der Kosten stellen Sie bitte bei Ihrer Pflegekasse einen entsprechenden Antrag auf Verhinderungspflege. Dies kann auch nachträglich geschehen. Die Pflegekassen halten die passenden Formulare bereit.

Was muss man tun, wenn man Verhinderungspflege in Anspruch nehmen will?

Bevor Sie die Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen, stellen Sie bitte einen Antrag bei Ihrer Pflegekasse. Bei gesetzlichen Versicherten wird der Antrag über die individuelle Krankenversicherung eingereicht.

Hinweis: Die Angaben auf dieser Seite sind nicht rechtsverbindlich.