Die 5 Pflegegrade

Voraussetzung – Beantragung – Erhöhung

Pflegegrad berechnen und beantragen

Was ist ein „Pflegegrad“?

Ein Pflegegrad – früher Pflegestufe – definiert den Pflege- und Betreuungsbedarf einer pflegebedürftigen Person. Je höher der festgestellte Grad, umso größer ist der Pflegebedarf. Bei der Berechnung des Pflegegrades spielt das Alter keine Rolle, sondern nur der physische und psychische Zustand einer Person zum Zeitpunkt der Begutachtung.

Wer ist zuständig für die Einstufung?

Bei der Beantragung und Einstufung Pflegegrad bei gesetzlich Krankenversicherten ist immer zuständig die eigene gesetzliche Krankenkasse. Durch die übliche Pflichtversicherung ist man automatisch Mitglied der angegliederten Pflegekasse.

Wie geht die Antragstellung?

Einen Antrag stellt man bei der eigenen Pflegekasse, schriftlich oder mündlich. Wenn der Antrag bei der Pflegekasse eingegangen ist, erhält man ein Formular, das man korrekt und vollständig ausfüllen muss. Sobald das ausgefüllte Formular bei der Pflegekasse eingegangen ist, beauftragt diese den Medizinischen Dienst (MD) – früher Medizinischer Dienst der Krankenkassen (MDK) – mit einem Gutachten, das in aller Regel in der häuslichen Umgebung durchgeführt wird.

Wie geht die Antragstellung bei privat versicherten Personen?

Der Ablauf ist identisch, aber Privatversicherte müssen sich an die private Pflegeversicherung wenden, wobei die Firma Medicproof die Begutachtung durchführt.

Wer hat Anspruch auf einen Platz im Pflegeheim?

Anspruch auf einen Platz in einem Pflegeheim haben nur pflegebedürftige Personen ab Pflegegrad 2.

Pflegegrad Voraussetzungen und Ansprüche

Nur mit einem anerkannten Pflegegrad erhält man Leistungen von der Pflegekasse.

Wer hat Anspruch auf Leistungen der Pflegkasse?

Anspruch auf Leistungen der Pflegekasse hat man nur, wenn die Person mindestens zwei Jahre innerhalb der vergangenen zehn Jahre in die soziale Pflegeversicherung eingezahlt hat.

Erhalten Privatversicherte dieselben Leistungen?

Ja. Privatversicherte erhalten, das ist gesetzlich geregelt, dieselben Leistungen. Auch hier gilt, dass man erst dann einen Anspruch auf Pflegeleistungen hat, wenn man in den zehn Jahren vor dem entsprechenden Antrag mindestens schon zwei Jahre pflegeversichert war.

Wie erreicht man die Erhöhung des Pflegegrades?

Der sogenannte „Verschlechterungsantrag“ muss bei der zuständigen Pflegekasse eingereicht werden – bei Privatversicherten ist das die private Pflegekasse. Hierfür gibt es Musterformulare, die eingereicht werden müssen. Daran schließt sich der gleiche Prozess an wie bei einer Erst-Beantragung an. Die Begutachtung findet zuhause durch den MD (Medizinischen Dienst) statt.

Wie erfolgt die Einstufung?

Die Einstufung in einen Pflegegrad erfolgt anhand von 64 Bewertungskriterien, die in sechs „Module“ zusammengefasst werden:
Modul 1 – Mobilität
Modul 2 – Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
Modul 3 – Verhalten und psychische Problemlagen
Modul 4 – Selbstversorgung
Modul 5 – Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
Modul 6 – Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

 

Es gibt 5 Pflegegrade

Pflegegrad 1

Zustand: Geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit

Punkte: 12,5 bis unter 27 Punkte

Leistungen der Pflegekasse bei Pflegegrad 1: Es besteht Anspruch auf monatliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen, Zuschüsse zu Pflegehilfsmitteln und dem Hausnotruf sowie zur Wohnraumanpassung. Personen mit Pflegegrad 1 haben keinen Anspruch auf Pflegegeld bei der Pflege durch Angehörige oder auf Pflegesachleistungen bei der Versorgung durch einen professionellen ambulanten Pflegedienst.

  • Betreuungs- und Entlastungsleistungen: 125 Euro/Monat
  • Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel: 40 Euro/Monat
  • Hausnotruf: 23 Euro/Monat
  • Wohnraumanpassung: 4.000 Euro/Gesamtmaßnahme
  • Wohngruppenzuschuss: 214 Euro/Monat

Experten Tipp: Menschen mit Pflegegrad 1 stehen monatlich 125 Euro für Betreuungs- und Entlastungsleistungen zu, die sie auch für die Grundpflege durch einen ambulanten Pflegedienst nutzen können.

Pflegegrad 2

Zustand: Erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit

Punkte: 27 bis unter 47,5 Punkte

Leistungen der Pflegekasse bei Pflegegrad 2: Versicherte mit Pflegegrad 2 haben Anspruch auf Pflegegeld bei häuslicher Pflege durch Angehörige oder Freunde sowie auf Pflegesachleistungen bei professioneller Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst sowie auf Zuschüsse zur Tages- und Nachtpflege, Kurzzeit-, Verhinderungs- und zur vollstationären Pflege.

  • Betreuungs- und Entlastungsleistungen: 125 Euro/Monat
  • Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel: 40 Euro/Monat
  • Hausnotruf: 23 Euro/Monat
  • Wohnraumanpassung: 4.000 Euro/Gesamtmaßnahme
  • Wohngruppenzuschuss: 214 Euro/Monat
  • Pflegegeld: 316 Euro/Monat
  • Pflegesachleistung: 689 Euro/Monat
  • Tages- und Nachtpflege: 689 Euro/Monat
  • Kurzzeitpflege: 1.612 Euro/Jahr
  • Verhinderungspflege: 1.612 Euro/Jahr
  • Vollstationäre Pflege: 770 Euro/Monat

Experten-Tipp: Wer bei Pflegegrad 2 seine Pflegesachleistungen für die Versorgung durch einen professionellen Pflegedienst von 689 Euro nicht voll ausgeschöpft hat, kann bis zu 40 Prozent davon auf Wunsch auch für weitere Betreuungs- und Entlastungsleistungen verwenden (sog. Umwandlungsanspruch). Konkret heißt das: Versicherte mit Pflegegrad 2 können bis zu 275,60 Euro zusätzlich für Betreuung und Entlastung verwenden.

Pflegegrad 3

Zustand: Schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit

Punkte: 47,5 bis unter 70 Punkte

Leistungen der Pflegekasse bei Pflegegrad 3: Bei Pflegegrad 3 hat man Anspruch auf Pflegegeld, Pflegesachleistungen und diverse Zuschüsse zur Tages- und Nachtpflege, Kurzzeit-, Verhinderungs- und zur vollstationären Pflege.

  • Betreuungs- und Entlastungsleistungen: 125 Euro/Monat
  • Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel: 40 Euro/Monat
  • Hausnotruf: 23 Euro/Monat
  • Wohnraumanpassung: 4.000 Euro/Gesamtmaßnahme
  • Wohngruppenzuschuss: 214 Euro/Monat
  • Pflegegeld: 545 Euro/Monat
  • Pflegesachleistung: 1.298 Euro/Monat
  • Tages- und Nachtpflege: 1.298 Euro/Monat
  • Kurzzeitpflege: 1.612 Euro/Jahr
  • Verhinderungspflege: 1.612 Euro/Jahr
  • Vollstationäre Pflege: 1.262 Euro/Monat

Experten-Tipp: Personen mit Pflegegrad 3, die Sachleistungen, z. B.  für professionelle Pflege nicht voll ausgeschöpft haben, können bis zu 40 Prozent davon für andere weitere Betreuungs- und Entlastungsleistungen verwenden.

Pflegegrad 4

Zustand: Schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit

Punkte: 70 bis unter 90 Punkte

Leistungen der Pflegekasse bei Pflegegrad 4: Mit Pflegegrad 4 stehen Ihnen vergleichsweise viele Leistungen der Pflegeversicherung zu – teilweise auch in Kombination.

  • Betreuungs- und Entlastungsleistungen: 125 Euro/Monat
  • Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel: 40 Euro/Monat
  • Hausnotruf: 23 Euro/Monat
  • Wohnraumanpassung: 4.000 Euro/Gesamtmaßnahme
  • Wohngruppenzuschuss: 214 Euro/Monat
  • Pflegegeld: 728 Euro/Monat
  • Pflegesachleistung: 1.612 Euro/Monat
  • Tages- und Nachtpflege: 1.612 Euro/Monat
  • Kurzzeitpflege: 1.612 Euro/Jahr
  • Verhinderungspflege: 1.612 Euro/Jahr
  • Vollstationäre Pflege: 1.775 Euro/Monat

Experten Tipp: Scheuen Sie sich bitte nicht, eine Erhöhung des Pflegegrades zu beantragen. Der Eigenanteil in einem Pflegeheim steigt dadurch nicht.

Pflegegrad 5

Zustand: Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

Punkte: 90 bis 100 Punkte

Leistungen der Pflegekasse bei Pflegegrad 5: Personen mit Pflegegrad 5 sind stark auf fremde Hilfe angewiesen. Daher sind die Leistungen der Pflegekasse hier sehr umfangreich.

  • Betreuungs- und Entlastungsleistungen: 125 Euro/Monat
  • Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel: 40 Euro/Monat
  • Hausnotruf: 23 Euro/Monat
  • Wohnraumanpassung: 4.000 Euro/Gesamtmaßnahme
  • Wohngruppenzuschuss: 214 Euro/Monat
  • Pflegegeld: 901 Euro/Monat
  • Pflegesachleistung: 1.995 Euro/Monat
  • Tages- und Nachtpflege: 1.995 Euro/Monat
  • Kurzzeitpflege: 1.612 Euro/Jahr
  • Verhinderungspflege: 1.612 Euro/Jahr
  • Vollstationäre Pflege: 2.005 Euro/Monat

Experten-Tipp: Kombinieren Sie Kurzzeitpflege mit Verhinderungspflege, denn Personen mit einem Pflegegrad haben unter anderem Anspruch auf beide Pflegeformen, häufig werden diese Leistungen aber nicht abgerufen. Damit ist es beispielsweise möglich, eine Kurzzeitpflege bis zu 8 Wochen zu bekommen.